Frohe Ostern

Frohe Ostern

Bietergefecht um 5G-Frequenzen

Schon seit fünf Wochen ringen die vier Mobilfunkunternehmen Telekom, Vodafone, Telefónica und United Internet um die Frequenzvergabe für den Echtzeitmobilfunkstandard 5G. Dieser soll der Industrie 4.0 und dem autonomen Fahren einen enormen Anschub verleihen, denn mit einer hundertfach höheren Datengeschwindigkeit ist der neue Standard dem aktuellen 4G-Netz deutlich überlegen. Doch eine Einigung um den letzten von insgesamt 41 Frequenzblöcken lässt auf sich warten.

Bei der Versteigerung durch die Bundesnetzagentur in Mainz handelt es sich um einen komplexen Prozess. Innerhalb einer Stunde können die Unternehmen nach bestimmten Regeln immer wieder neue Höchstgebote platzieren. Danach endet eine Runde. Geben die Firmen keine neuen Gebote mehr ab, endet das Vergabeverfahren. Doch immer neue Bietergefechte sorgen seit Wochen für eine stete Verlängerung des Prozesses sowie zu einer immer weiteren Erhöhung der Gebote auf zuletzt 5,35 Mrd. €.

Wer für die Verlängerung verantwortlich ist, wird heftig diskutiert. Zum einem versucht sich United Internet mit seiner Tochterfirma 1&1 Drillisch als vierter Mobilfunkanbieter mit eigenem Netz in Deutschland zu etablieren. Bisher mietete sich United Internet für geschätzt 300 Millionen Euro im Jahr einen Zugang zum Telefónica-Netz, was zukünftig vermieden werden soll. Das bringt den ohnehin in Deutschland kriselnden Telefónica-Konzern in Schwierigkeiten, der zuletzt einen Abbau von 10 Prozent seiner Beschäftigten in Deutschland verkündete. Doch auch die Deutsche Telekom zeigte sich immer wieder als Preistreiber.¹

Zuletzt entbrannte ein Bieterkampf um den letzten Block der 3,6 GHz-Frequenzen. Zur Realisierung dieses Frequenzbereiches werden die Sendemasten zwar nur wenige hundert Meter auseinander stehen können, doch vor allem in Städten, Industrieanlagen und Forschungsgeländen dürfte die Anwendung interessant sein. So möchte die Telekom neun, Vodafone acht, Telefónica sieben und 1&1 sechs Frequenzblöcke erwerben. Das Problem dabei ist, dass statt 30 nur 29 Blöcke zur Verfügung stehen. Die Vergabe der weitreichenden 2,0 GHz-Frequenzen hingegen ist so gut wie regelt.²

Wer sich am Ende durchsetzen kann, ist noch offen. Zuletzt deuteten geringere Preissprünge auf ein baldiges Ende der Verhandlungen hin. Auch ein Ausstieg von United Internet ist noch möglich, da das Unternehmen bisher über keine eigene Infrastruktur verfügt und der kostspielige Aufbau eines eigenen Netzes wohl Jahre dauern dürfte. Die Einnahmen der Bundesnetzagentur sollen nach Ende der Auktion an einen Digitalfonds der Bundesregierung fließen. Dieser soll den Netzaufbau in Deutschland fördern, wodurch die vier Bieter am Ende wieder von ihren hohen Ausgaben profitieren könnten.¹

 

Umwelt- und Sozialstandards auf dem Vormarsch

Ex-Bundesbankpräsident und UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber ist sich sicher: Der Trend zu ökologischen und sozialverträglichen Investments wird sich dauerhaft durchsetzen. Aktuell sind über 23 Billionen Dollar in nachhaltigen Anlagen investiert und der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu wirtschaften, wächst. Weber zufolge könnte im Extremfall ein Aktien-Boykott von Umweltsündern und gesellschaftsschädigenden Unternehmen drohen.
Laut dem Schweizer Vermögensverwalter Globalance hat fast die Hälfte der im DAX notierten Unternehmen Nachholbedarf beim Thema positiven Einfluss auf Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie. Vor allem VW, RWE und Fresenius stechen als Negativbeispiele hervor. Positiv erwähnt werden hingegen Allianz und Munich Re. Gleichzeitig bedeutet die Analyse aber nicht, dass deutsche Unternehmen hinter die internationale Konkurrenz zurückfallen.Trotzdem bieten nachhaltige Investments mehr als nur ein gutes Gefühl beim Anlegen. So ist die risikogewichtete Rendite von Nachhaltigkeitsindizes ähnlich oder sogar leicht besser als die von herkömmlichen Fonds. Hinzukommen strengere Umweltauflagen der EU, Forderungen von Kunden und auch die Ansprüche der eigenen Mitarbeiter, welche Unternehmen immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit treiben. Das wichtigste Argument stellen aber finanzielle Risiken aus Umweltschäden dar. Und so betont auch Blackrocks Vice Chairman Hildebrand, dass die Zukunft des Investierens nachhaltig sei. Lassen sich die Unternehmen nicht überzeugen, so setzt auch er auf den Boykott ausgewählter Aktien: „Es gibt keine stärkere Kraft als das Bewegen von Kapital“.³


¹ Handelsblatt 15. April 2019, Nr. 74 S. 16-17
² https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/kampf-um-den-letzten-block-bei-der-5g-auktion-zeichnen-sich-gewinner-und-verlierer-ab/24230280.html, 19. April 2019
³ Handelsblatt 17. April 2019, Nr. 76 S. 1, 4-5

Marktüberblick

Indizes

Kurz vor dem langen Osterwochenende haben die Optimisten am deutschen Aktienmarkt erneut die Oberhand gehabt. Der DAX stieg am Donnerstag um 0,57 Prozent auf 12 222,39 Punkte. Seit sieben Börsentagen kennt der Leitindex nur eine Richtung: aufwärts. Damit summiert sich der DAX-Gewinn auf knapp zwei Prozent und im April bislang auf sechs Prozent.¹
Der Dow Jones stieg um 0,42 Prozent auf 26 559,54 Punkte. Im Laufe der verkürzten Karwoche sammelte er damit ein Plus von 0,56 Prozent an. Für den breit gefassten S&P 500 ging es am Gründonnerstag um 0,16 Prozent auf 2905,03 Punkte nach oben.
Der NASDAQ 100 legte um 0,12 Prozent auf 7689,72 Zähler zu. Er war zur Wochenmitte noch auf ein Rekordhoch gestiegen.²

 

Währungen

Der Euro ist am Donnerstag im US-Handel unter Druck geblieben. Angesichts enttäuschender Konjunkturdaten aus der Eurozone kostete die Gemeinschaftswährung zuletzt 1,1230 US-Dollar und damit gut 0,7 Cent weniger als im frühen europäischen Geschäft. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1250 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8889 Euro.³

 

Rohstoffe

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstag 71,68 US-Dollar. Das waren sechs Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls geringfügig um vier Cent auf 63,80 Dollar. Der Rückgang der Lagerbestände in den USA stützt die Ölpreise, nachdem man einen Anstieg erwartete.⁴
Bis Donnerstagabend ermäßigte sich der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (Juni) um 2,90 auf 1273,90 Dollar pro Feinunze. ⁵

Eine spannende Handelswoche wünschen,

Leo Strelow und Bastian Hanitsch

 


¹ https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/aktien-frankfurt-schluss-vor-ostern-dominieren-die-bullen-7389884
² https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/aktien-new-york-schluss-dow-jones-industrial-beendet-die-karwoche-versoehnlich-7390875
³ https://www.onvista.de/news/devisen/Eurokurs-Euro-Dollar-News-EUR_USD
⁴ https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/oel-oelpreise-kaum-veraendert/24234122.html
⁵ https://www.finanzen.net/nachricht/rohstoffe/gold-und-rohoel-gold-tiefster-stand-des-jahres-7385473

 

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