Italiens Wahl und Atomabkommen

Piove Governo Ladro

Selbst am Regen seien die Politiker Schuld. So lautet ein verbreitetes Sprichwort hier in Italien. Und damit lässt sich wohl auch ganz gut das Wahlergebnis vom März zusammenfassen: Die Regierungsparteien wurden abgestraft und zwei recht junge Parteien konnten stark zulegen. Die Lega Nord konnte vor allem im Norden mit weitreichender Kritik an der Flüchtlingspolitik und der Forderung nach einer „Flat-Tax“ von 15% punkten und die M5S gewann im strukturschwächeren Süden des Landes mit dem Versprechen von mehr Investitionen und einer Art Grundeinkommen. Nachdem Berlusconi, Bündnispartner der Lega Nord, angekündigt hat, eine Koalition der beiden Parteien zu dulden, wurde in den letzten Wochen versucht, diese eher konträren Forderungen zu vereinen.¹
Italien steht vor strukturellen Problemen und dem Dilemma zwischen dringend erforderlichen Investitionen und andererseits einer Staatsverschuldung von 130% des BIP und einer EU, die auf Austerität pocht. Steigende Zinsen werden die versprochenen Erleichterungen und Sozialprogramme zusätzlich erschweren. Gerade hier dürfte sich in den nächsten Jahren die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft zeigen. Der Norden Europas wird versuchen, die neue Regierung zur Sparsamkeit zu bewegen, aber diese wurde genau dafür gewählt, sich dem zu widersetzen. Die Wut auf die alten Politiker ist groß und droht auf die EU umzuschwenken.² Wie wäre die Stimmung in Deutschland, wenn in NRW 60% Jugendarbeitslosigkeit herrschen würde, wie es in hier in manchen Regionen der Fall ist?
Deutschland kann sich als einer der Profiteure der aktuellen Situation ansehen, denn viele Italiener (vor allem gut ausgebildete) stimmen mit den Füßen ab und wandern aus. Zudem lohnt sich ein Blick über den Tellerrand hinaus: Rechnet man die sogenannte implizite Verschuldung (zukünftige Defizite und ungedeckte Pensionskosten) mit ein, steht Italien aufgrund vergangener Rentenreformen besser da als Deutschland.³

 

Trump steigt aus Iran-Abkommen aus

Am Dienstag kündigte Präsident Trump an, dass sich die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen werden. Die Aktienmärkte in Deutschland und den USA reagierten kaum auf die Meldung, da der Ausstieg bereits vorher erwartet worden war. Offen bleibt, wie es nun weiter geht. Die USA werden wohl vorerst die einzigen sein, die Sanktionen gegenüber dem Iran aufbauen. Für deutsche Unternehmen, die im Iran und auch in den USA Geschäfte machen, wird es trotzdem Konsequenzen haben. Sogenannte sekundäre Sanktionen führen dazu, dass die USA ausländische Unternehmen, die sich nicht an die Sanktionen halten, auf dem Heimatmarkt bestrafen können.⁴

¹ https://www.tagesschau.de/ausland/italien-regierungsbildung-105.html
² http://www.dw.com/de/italien-wirtschaft-ohne-regierung/a-43717593
³ https://www.stiftung-marktwirtschaft.de/fileadmin/user_upload/Pressemitteilungen/2017/Ergebnisse_kurz_Ehrbare_Staaten_2017_12_12.pdf
⁴ http://www.sueddeutsche.de/politik/europa-und-das-iran-abkommen-vereint-im-zorn-auf-trump-1.3975445

Marktüberblick

Indizes

Dax
Alles neu macht der Mai. Der Leitindex Dax konnte erstmals seit Februar wieder die 13.000 Punkte Marke knacken. Mit dieser Marke verabschiedete sich der Dax am letzten Handelstag nach einer ruhigen Woche aus dem Handel. Dazu beigetragen haben auch die zahlreichen Dividendenausschüttungen. Diese werden in der Performance berücksichtigt, da der Dax im Gegensatz zu vielen anderen Indizes ein Performanceindex ist.
Doch lasst uns einen Blick in den Dax werfen, auf die Einzeltitel. Welche Titel konnten letzte Woche zum Höhenflug beitragen und welche markierten mit starken Abschlägen das Ende vom Dax?
Zu den Gewinnern zählt hier unter anderem Siemens. Das Technologieunternehmen konnte die Anleger mit den ersten Quartalszahlen überzeugen. Demnach konnte Siemens seine Ergebnisprognose je Aktie sogar anheben. ¹
Am unteren Ende der Liste haben wir zum anderen die Deutsche Post, welche mit einem knappen Minus von 5,80% aus dem Handel ging. Dabei hält das Unternehmen die rote Laterne in der Hand. Grund waren hier die Veröffentlichung der ersten Quartalszahlen und Lieferschwierigkeiten der Fastfood Kette KFC. Beides kam nicht gut an bei den Anlegern. ²Dow Jones
Auch beim Dow Jones sieht es momentan ziemlich gut aus. Noch vor wenigen Wochen überwogen Themen wie Handelskrieg, Zinserhöhungen und andere politische Themen am Markt und führten zu erhöhter Volatilität. All das scheint nun in den Hintergrund geraten zu sein. Der Dow Jones konnte in den letzten Tagen die „längste Gewinnstrecke des Jahres“³ einfahren. Der Index beendete die Woche bei 24.850 Punkten, einem Plus auf Wochenbasis von +2,26%.

 

Währungen

Der EUR/USD Wechselkurs beträgt derzeit 1,19415. Der Euro konnte, nachdem er die letzten Wochen etwas unter Druck geraten war, wieder ein paar Punkte gut machen. Allerdings ist aufgrund der aktuellen Zinspolitik und eines weiter steigenden Zinsniveaus in den USA davon auszugehen, dass der USD tendenziell weiter gefragt sein wird.

 

Rohstoffe

Der im letzten Newsletter angesprochene intakte Aufwärtstrend beim WTI Öl konnte letzte Woche bestätigt werden. Der „West Texas Intermediate“ (WTI) schloss letzte Woche bei 71,03 USD.
Zum Schluss möchten wir noch einmal einen Blick auf das Gold werfen. Gold kostete am Ende der Woche 1318,34 USD, was auf Wochenbasis ein Plus von +0,24 % ist. Gold zählt bei vielen Anlegern als sicherer Hafen, vor allem beim Thema Inflation. Durch die stark expansive Geldpolitik und durch damit steigende Inflation könnte das Thema Gold noch mehr an Bedeutung gewinnen, als in den letzten Jahren gesehen.

Eine spannende Handelswoche wünschen,
Christoph Sager und Marcus Hüppe


¹ https://www.comdirect.de/inf/aktien/detail/news_detail.html?ID_NOTATION_INDEX=20735&INDEX_FILTER=true&ID_NOTATION=1929749&ID_NEWS=690013861&NEWS_HASH=955ede1b77235dc7f1ce1c7dde19c262823448b1&SEARCH_VALUE=DE0007236101&NEWS_CATEGORY=EWF&DETAILS_OFFSET=0
² https://www.comdirect.de/inf/aktien/detail/news_detail.html?ID_NOTATION_INDEX=20735&INDEX_FILTER=true&ID_NOTATION=144553&ID_NEWS=689133688&NEWS_HASH=5a16909dbfd3f8376680777e56a018c49d0371b&SEARCH_VALUE=DE0005552004&NEWS_CATEGORY=EWF&DETAILS_OFFSET=0
³ https://www.teleboerse.de/marktberichte/Dow-auf-laengster-Gewinnstrecke-des-Jahres-article20429831.html

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