Marktüberblick

Staatsbesuche in Washington

Wochenüberblick

Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen europäischer Staatsbesuche in den USA. Zunächst reiste am Montag Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach Washington. Anders als bei ihrem ersten Treffen zeigten sich Trump und Macron mehr als versöhnlich. Mit Wangenküsschen, Hände halten und allen erdenklichen militärischen Ehren inszenierten beide Präsidenten eine ungeahnte Harmonie, die jedoch ihre inhaltliche Differenzen nicht verdecken konnte. So bemühte sich Macron vor allem darum, Trump von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium aus der EU abzuhalten. Er argumentierte, dass man keine Handelskriege gegen Verbündete führen darf und solche Konflikte ohnehin durch die WTO geregelt werden. Dadurch ließ sich Trump jedoch nicht beeindrucken. Der US-Präsident lobte zwar die ausgeglichenen Handelsbeziehungen zwischen den USA und Frankreich, zeigte sich aber mit der Handelspolitik der EU gegenüber den USA äußerst unzufrieden. Auch Angela Merkel, die am Freitag freundlich zum Arbeitsbesuch empfangen wurde, konnte bisher nichts daran ändern. Schon vor ihrem Abflug nach Washington war aus Regierungskreisen zu hören, dass man nicht mit einer Einigung bezüglich der Handelsfragen rechnet. Somit werden aller Voraussicht nach am 1. Mai auch Strafzölle auf Produkte aus der EU wirksam. Ob diese Sanktionen den hohen Exportüberschuss der EU senken werden, ist mehr als fraglich, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Lediglich zwei der insgesamt 68 Milliarden Euro des deutschen Handelsüberschusses bzgl. der USA sind auf Stahl und Aluminium zurückzuführen. Hinzukommt die Tatsache, dass viele Stahlsorten, z. B. besonders feste und extrem dünne, nur von europäischen Herstellern produziert werden. Die USA wären also gezwungen, den Stahl samt Strafzöllen trotzdem zu importieren. Für die metallverarbeitende US-Industrie dürften das keine guten Neuigkeiten sein und auch Donald Trump könnte am Ende negative Auswirkungen spüren. Schließlich beschäftigt die verarbeitende Stahl- und Aluminiumindustrie 6,5 Mio. Personen gegenüber 140000 in der erzeugenden Industrie. Möglicherweise sehen sich dann einige US-Firmen dazu veranlasst, ihre Produktion zur Kostensenkung ins Ausland zu verlagern. Daher dürfen wir gespannt bleiben, wie sich der Handelskonflikt fortsetzt und uns fragen, ob die nahenden Strafzölle nur als Drohung und Vorgeschmack auf kommende Maßnahmen der USA verstanden werden sollen.Ebenso gegensätzlich stellten sich die Positionen der Europäer und Amerikaner im Streitpunkt Iran-Deal dar. Während Macron davon sprach, dass ein ersatzloses Aufkündigen des Atomabkommens für ihn nicht in Frage komme, ließ Donald Trump offen, ob er sich am 12. Mai für oder gegen die Verlängerung des Vertrages entscheidet. Um vor Verstreichen der Frist noch eine Einigung zu erreichen, arbeiten Diplomaten beider Seiten des Atlantiks seit einigen Wochen an einem Entwurf für ein Zusatzabkommen. Dieses soll ein iranisches Atombombenprojekt auch nach 2025, sowie iranische Raketenprogramme und Interventionen in den aktuellen Nahost-Kriegen verhindern. Dolch auch hier ist es fraglich, ob der Iran einem solchen Vertrag zustimmen würde. Sollte keine Einigung zustandekommen, droht der wirtschaftliche Wiederaufbau und vor allem der florierende Export von Öl aus dem Iran schnell Geschichte zu sein. Schon jetzt befindet sich der iranische Rial im freien Fall, weshalb Wechselstuben keine US-Dollar mehr herausgeben. Die Dollar-Einnahmen aus dem Öl-Export, die 30% des Staatshaushalts ausmachen, bleiben ebenfalls nahezu wirkungslos, da sie aufgrund noch bestehender Sanktionen nicht komplett umgetauscht werden können. Der Iran ist daher nicht mehr weit von einer neuen Wirtschafts- und auch Sicherheitskrise entfernt.

 


¹ https://www.welt.de/politik/ausland/article175791184/Besuch-in-Washington-Macrons-gute-Beziehung-zu-Trump-hat-sich-bisher-noch-nicht-ausgezahlt.html
² http://m.dw.com/de/irans-wirtschaft-in-der-sackgasse/a-43406541?xtref=https%253A%252F%252Fwww.google.de%252F
³ https://m.focus.de/politik/deutschland/merkel-in-washington-trotz-kuesschen-keine-kompromisse-bei-merkels-besuch-im-weissen-haus_id_8843392.html
http://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/angela-merkel-bei-donald-trump-besuch-der-konkurrentin-15561315.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/welthandel-mit-strafzoellen-laesst-sich-kein-handels-plus-abbauen-1.3957774
https://www.morgenpost.de/politik/article214112237/Beim-Besuch-von-Macron-gibt-es-Kuesse-fuer-Donald-Trump.html

Marktüberblick

Indizes

Nachdem der DAX in der vergangenen Woche einen leichten Kursrückgang verzeichnete, schloss er diesen Freitag bei 12.580 Punkten und legt im Vergleich zur vorhergehenden Handelswoche um etwa 80 Punkte (+0,64%) zu. In der bevorstehenden Handelswoche erwarten die Anleger wieder Quartalszahlen. Außerdem wird sich der DAX aufgrund des handelsfreien Dienstag wahrscheinlich mehr an der US-Börse orientieren. Der DOW JONES hat sich nach ebenfalls schwachen Wochenstart bei 24.311 Punkten eingependelt. Somit hat dieser im Verlauf der Woche ein Minus von 11,15 Punkten (-0,05%) eingefahren. Gründe dafür könnte unter anderem die zunehmende Anspannung des Handelsverhältnisses zwischen den USA und China mit den anstehenden Strafzöllen und der noch ausstehenden Entscheidung zu dem Atomabkommen zwischen dem Iran und der USA sein.

 

Währungen

Die Kursbewegung von der Gemeinschaftswährung EUR/USD war in der vergangenen Woche kaum spürbar, der Kurs verzeichnet sich aktuell 1,2131. Demnach kostet der Dollar aktuell 0,8243€.

 

Rohstoffe

Die Ölpreise geben nach dem leichten Aufwärtstrend in dieser Handelswoche wieder nach. Grund dafür ist die Befürchtung, dass die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigt. Hierzu ist jedoch noch keine Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump gefällt worden. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet aktuell 74,52 USD. Der Goldpreis hat sich am vergangenen Freitag bei 1.322,80 USD eingependelt, das ist ein leichtes Plus von 0,1%. Damit zeigt sich Gold unbeeindruckt von den aktuellen Konjunkturindikatoren der EZB und der US-Notenbank.

Eine spannende Handelswoche wünschen,
Leo Strelow und Thomas Berger


¹ https://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis
² https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10495722-boerse-daily-sonntag-dax-volkswagen-sap-deutsche-telekom-heidelbergcement-fresenius-wacker-chemie-nokia
³ https://de.investing.com/commodities/real-time-futures

Steinhoff – Das Ende einer Ära?

Die Aktie des zweitgrößten Möbelkonzerns galt lange als der Liebling von Aktionären. Nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte die Bestätigung der Unternehmensbilanz verweigerte, wurde die Bilanzmanipulationen Ende 2017 bekannt. Der Aktienkurs fiel unter die Marke von 0,5 Euro, ein Verlust von gut 90 %.

Doch was führte zu dem Niedergang des einstigen Möbelgiganten?

Die Ära des Möbelkonzerns mit seinem Ursprung in Westerstede bei Bremen begann im Jahr 1965. Schon seit Beginn setzte das Unternehmen auf die Fertigung seiner Produkte außerhalb der BRD und konnte somit seine starke Expansion beschleunigen. Folglich erkannte die Unternehmensführung das Potenzial der Absatzmärkte außerhalb Deutschlands und Europas und siedelte sich beispielsweise in Südafrika an. Dabei wurden auch Ansiedlungen in geopolitisch schwierigen Märkten präferiert, wo die Konkurrenzsituation dementsprechend geringer ausfiel. So viel zu dem unternehmerischen Geschick, welches den Konzern zu seiner einstigen Größe verholfen hat.
Insbesondere in den letzten Jahren führten die überzogenen Expansionspläne zu einer ungebremsten Verschuldung des Konzerns, welche versucht wurde zu verschleiern. Dabei wurden unrentable Tochterunternehmen über Scheinfirmen an Steinhoff verkauft umso die Bilanz „aufzuhübschen“.
Durch die kürzlich verkauften Anteile an dem Tochterunternehmen Star konnten knapp 250 Millionen Euro akquiriert werden. Dabei stellt sich die Frage, ob nun „Zwangsverkäufe“ zur Regel gehören und profitable Bereiche zu günstig veräußert werden, um die finanzielle Notlage abzufedern. Inwiefern der Konzern als Einheit bestehen bleibt ist fraglich. ¹ ²

 


¹ Capital, April, 2018
² https://boerse.ard.de/aktien/das-steinhoff-drama100.html

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Emmision in Milliardenhöhe

Springer Nature an die Börse

In Deutschland läuft die dritte Emission in Milliardenhöhe im aktuellen Jahr an. Nach Healthineers, einem Tochterunternehmen von Siemens (4,5 Milliarden Dollar) und der Vermögensverwaltung DWS von der Deutschen Bank (1,6 Milliarden Dollar), plant nun auch der Wissenschaftsverlags Springer Nature seinen Börsengang. Die bisherigen Eigentümer des Verlags Stefan von Holtzbrinck (53 Prozent) und BC Partners (47 Prozent) möchten ihr Unternehmen in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien an die Börse in Frankfurt bringen. Genauso hatte es kurz zuvor die Deutsche Bank mit der DWS vorgemacht hat. Dennoch wird die Deutsche Bank diese Emission nicht begleiten. Generell wird für das Konsortium kein deutsches Kreditinstitut engagiert. Die Eigentümer wollen vielmehr auf die Erfahrung vieler ausländischer Banken setzen: JP Morgan, Morgan Stanley, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs und die Société Générale. ¹

Im Jahr 2015 ist der Wissenschaftsverlag Springer Nature aus dem Zusammenschluss von Business Media und Springer Science, sowie Macmillan Science and Education entstanden. Mit hohen Publikationszahlen von rund 300.000 Artikeln in 13.000 Büchern und 2.800 Magazinen allein im vergangenen Jahr, sieht sich Springer Nature als den größten Verlag für Wissenschaftsbücher in englischer Sprache und als Weltmarktführer für Open-Access-Veröffentlichungen. Das Online-Portal mit den wissenschaftlichen Inhalten ist weltweit bekannt und registriert täglich über zwei Millionen Aufrufe.²

Der Verlag wurde bereits seit geraumer Zeit als Börsenkandidat gehandelt. Nun ist es offiziell. Der „1,2 Milliarden Euro schwere Börsengang“ soll frühestens in vier Wochen stattfinden. Damit ist es jedoch nicht genug, der Telefonspezialist Nfon hat ebenfalls seine Absicht für einen Börsengang geäußert, dieser wird mit 50 Millionen Euro vergleichsweise viel kleiner ausfallen. ²

 


¹ http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/springer-nature-boersengang-geschieht-ohne-deutsche-bank-15540709.html
² https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/neuemission-springer-nature-und-nfon-streben-an-die-boerse/21165774.html

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MiFID II & Trumps Steuerreform

MiFID II

MiFID II ist die überarbeitete Richtlinie der 2007 verabschiedeten Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente MiFID I (Markets in Financial Instruments Directive). MiFID II und die dazugehörige Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (Markets in Financial Instruments Regulation, MiFIR, Verordnung (EU) Nr. 600/2014) traten am vergangenen Mittwoch in Kraft.
Laut Regulierungsbehörden soll MiFID II das getrübte Vertrauen, aufgrund der Finanzkrise 2008, auf den Finanzmärkten wiederherstellen. Die neue Richtlinie und Verordnung gelten definitionsgemäß für Wertpapierfirmen, Kreditinstitute, bestimmte nichtfinanzielle Gegenparteien, zentrale Gegenparteien und Drittlandfirmen, die Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten in der Europäischen Union ausführen.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist, dass Fondsmanager für Research-Leistungen von Banken und anderen Anbietern bezahlen müssen. MiFID II zwingt Investmentbanken, Research- und Broker-Dienste separat in Rechnung zu stellen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Bisher wurden die Research-Kosten in solche Gebühren eingebaut, die die Vermögensverwalter für die Ausführung von Handelsgeschäften bezahlten. Dies sorgte für Intransparenz und für problematische Provisionsmodelle. Außerdem habe es solche Banken bevorzugt, die den besten Zugang zum Handelsgeschäft boten.
Die Richtlinie soll Transparenz und eine faire Behandlung des Anlegers schaffen. Seit dem 3. Januar 2018 wird jedes Telefongespräch mit einem Wertpapierexperten aufgezeichnet. Dies soll bei Rechtsstreitigkeiten helfen, ob z.B. ausreichend über Risiken des empfohlenen Finanzprodukts aufgeklärt wurde. Auch eine umfassende Kostenübersicht bei der Order eines Wertpapieres soll die Kostentransparenz zukünftig weiter steigern.

Der enorme Umfang, die Ausführlichkeit, Verflechtung und Querverweise der regulatorischen Bestimmungen sowie die Durchführungsbestimmungen sorgen allerdings für eine hohe Komplexität und schwereres Verständnis. Ob MiFID II tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation an den Finanzmärkten führt, bleibt abzuwarten. Die mit der Einführung von MiFID II hohen regulatorischen Kosten für die Institute führten bereits dazu, dass sich einige aus dem Markt zurückziehen und der Wettbewerb abnimmt. Die höheren Kosten könnten an die Verbraucher weitergegeben werden. Im Rahmen einer Anlageberatung könnten insbesondere die Gebühren für Kleinanleger steigen oder die Beratungsleistung abnehmen, was sich wiederum negativ auf die sowieso schon wenig ausgeprägte Aktienkultur in Deutschland auswirken könnte. 1

 

Trumps Steuerreform

Die Steuerreform in den USA steht kurz vor der Vollendung. Angeblich soll es die Steuern von Privatpersonen und Unternehmen um 1,5 Billionen Dollar senken.
Unter anderem sinken die Ertragssteuern der Unternehmen vom 35 auf 21 Prozent. Außerdem können manche Investitionen sofort steuermindernd abgeschrieben werden.
Ebenfalls ändert sich die Besteuerung von im Ausland erzielten Gewinnen. Bisher mussten 35 Prozent dieser bei der Rückführung des Geldes abgeführt werden. Nach der neuen Steuerreform wird nur noch ein Steuersatz von 15,5 bzw. 8 Prozent fällig, abhängig von der Liquidität der Mittel. Dies könnte besonders interessant für solche Technologieunternehmen sein, die viel Geld im Ausland horten. Bei Apple beispielsweise sind es mehr als 250 Milliarden Dollar.
Für Privatpersonen sinkt der Spitzensteuersatz von 39,6 auf 37 Prozent. Pauschale Freibeträge werden verdoppelt, Freibeträge für die Erbschaftssteuer sowie Steuergutschriften für Familien mit Kindern werden erhöht. Nach einer Untersuchung der Organisation Tax Policy Center profitieren besonders die vermögenderen Haushalte von dieser Reform.
Steuersenkungen sollen laut des Joint Committee on Taxation, dem Steuergremium des US-Kongresses, ein moderates Wirtschaftswachstum bewirken, was künftig die Steuereinnahmen erhöht. Diese seien jedoch nicht so hoch, um die Ausfälle ausgleichen zu können. Dadurch soll sich das amerikanische Haushaltsdefizit über das kommende Jahrzehnt um eine Billion Dollar erhöhen.2

¹ http://deutsche-boerse.com/dbg-de/regulierung/regulatory-dossiers/mifid-mifir/mifid-i-to-mifid-ii
http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/richtlinie-fuer-finanzinstrumente-das-muessen-sie-ueber-mifid-ii-wissen/20807786.html
https://www.welt.de/wirtschaft/article169785740/So-aendert-sich-ab-Januar-2018-die-Bankberatung.html
² http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerreform-in-den-usa-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-15351951.html
http://www.handelsblatt.com/politik/international/trumps-programm-fast-durch-us-senat-verabschiedet-steuerreform/20759118.html

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