MiFID II & Trumps Steuerreform

MiFID II

MiFID II ist die überarbeitete Richtlinie der 2007 verabschiedeten Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente MiFID I (Markets in Financial Instruments Directive). MiFID II und die dazugehörige Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (Markets in Financial Instruments Regulation, MiFIR, Verordnung (EU) Nr. 600/2014) traten am vergangenen Mittwoch in Kraft.
Laut Regulierungsbehörden soll MiFID II das getrübte Vertrauen, aufgrund der Finanzkrise 2008, auf den Finanzmärkten wiederherstellen. Die neue Richtlinie und Verordnung gelten definitionsgemäß für Wertpapierfirmen, Kreditinstitute, bestimmte nichtfinanzielle Gegenparteien, zentrale Gegenparteien und Drittlandfirmen, die Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten in der Europäischen Union ausführen.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist, dass Fondsmanager für Research-Leistungen von Banken und anderen Anbietern bezahlen müssen. MiFID II zwingt Investmentbanken, Research- und Broker-Dienste separat in Rechnung zu stellen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Bisher wurden die Research-Kosten in solche Gebühren eingebaut, die die Vermögensverwalter für die Ausführung von Handelsgeschäften bezahlten. Dies sorgte für Intransparenz und für problematische Provisionsmodelle. Außerdem habe es solche Banken bevorzugt, die den besten Zugang zum Handelsgeschäft boten.
Die Richtlinie soll Transparenz und eine faire Behandlung des Anlegers schaffen. Seit dem 3. Januar 2018 wird jedes Telefongespräch mit einem Wertpapierexperten aufgezeichnet. Dies soll bei Rechtsstreitigkeiten helfen, ob z.B. ausreichend über Risiken des empfohlenen Finanzprodukts aufgeklärt wurde. Auch eine umfassende Kostenübersicht bei der Order eines Wertpapieres soll die Kostentransparenz zukünftig weiter steigern.

Der enorme Umfang, die Ausführlichkeit, Verflechtung und Querverweise der regulatorischen Bestimmungen sowie die Durchführungsbestimmungen sorgen allerdings für eine hohe Komplexität und schwereres Verständnis. Ob MiFID II tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation an den Finanzmärkten führt, bleibt abzuwarten. Die mit der Einführung von MiFID II hohen regulatorischen Kosten für die Institute führten bereits dazu, dass sich einige aus dem Markt zurückziehen und der Wettbewerb abnimmt. Die höheren Kosten könnten an die Verbraucher weitergegeben werden. Im Rahmen einer Anlageberatung könnten insbesondere die Gebühren für Kleinanleger steigen oder die Beratungsleistung abnehmen, was sich wiederum negativ auf die sowieso schon wenig ausgeprägte Aktienkultur in Deutschland auswirken könnte. 1

 

Trumps Steuerreform

Die Steuerreform in den USA steht kurz vor der Vollendung. Angeblich soll es die Steuern von Privatpersonen und Unternehmen um 1,5 Billionen Dollar senken.
Unter anderem sinken die Ertragssteuern der Unternehmen vom 35 auf 21 Prozent. Außerdem können manche Investitionen sofort steuermindernd abgeschrieben werden.
Ebenfalls ändert sich die Besteuerung von im Ausland erzielten Gewinnen. Bisher mussten 35 Prozent dieser bei der Rückführung des Geldes abgeführt werden. Nach der neuen Steuerreform wird nur noch ein Steuersatz von 15,5 bzw. 8 Prozent fällig, abhängig von der Liquidität der Mittel. Dies könnte besonders interessant für solche Technologieunternehmen sein, die viel Geld im Ausland horten. Bei Apple beispielsweise sind es mehr als 250 Milliarden Dollar.
Für Privatpersonen sinkt der Spitzensteuersatz von 39,6 auf 37 Prozent. Pauschale Freibeträge werden verdoppelt, Freibeträge für die Erbschaftssteuer sowie Steuergutschriften für Familien mit Kindern werden erhöht. Nach einer Untersuchung der Organisation Tax Policy Center profitieren besonders die vermögenderen Haushalte von dieser Reform.
Steuersenkungen sollen laut des Joint Committee on Taxation, dem Steuergremium des US-Kongresses, ein moderates Wirtschaftswachstum bewirken, was künftig die Steuereinnahmen erhöht. Diese seien jedoch nicht so hoch, um die Ausfälle ausgleichen zu können. Dadurch soll sich das amerikanische Haushaltsdefizit über das kommende Jahrzehnt um eine Billion Dollar erhöhen.2

¹ http://deutsche-boerse.com/dbg-de/regulierung/regulatory-dossiers/mifid-mifir/mifid-i-to-mifid-ii
http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/richtlinie-fuer-finanzinstrumente-das-muessen-sie-ueber-mifid-ii-wissen/20807786.html
https://www.welt.de/wirtschaft/article169785740/So-aendert-sich-ab-Januar-2018-die-Bankberatung.html
² http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/steuerreform-in-den-usa-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-15351951.html
http://www.handelsblatt.com/politik/international/trumps-programm-fast-durch-us-senat-verabschiedet-steuerreform/20759118.html

Marktüberblick

 

Indizes

Der Dax holte in der ersten Handelswoche des neuen Jahres die ausgebliebene Weihnachts- und Jahresendrallye nach und stieg von 12.897 Punkten auf 13.319 Punkte. Damit konnte er ein Plus von 3,4 Prozent verzeichnen. Beflügelt wurde der Dax erneut von der Wall Street, bei der es auch am Freitag kein Halten gab. Die drei großen US-Indizes Dow Jones, S&P500 und NASDAQ 100 erreichten neue Höchstmarken. Auch die schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten konnten den Höhenflug nicht bremsen. Der Dow Jones Index setzte sich am Freitag mit einem Gewinn von 0,88 Prozent auf 25.295,87 Punkte weiter von der 25.000er-Marke ab und brachte es auf ein Wochenplus von 2,33 Prozent. Somit war es für den Dow Jones der dritte Börsentag in Folge mit Rekordhoch.1

 

Währungen

Der EUR/USD eröffnete am Montag bei 1,2005 Punkten und stieg in Folge positiver Konjunkturdaten und der Aussicht auf höhere Zinsen bis auf 1,2083 Punkte an. Er lief bis an das Dreijahreshoch bei 1,2092 Punkten, fiel aber mit dem Ende der Handelswoche auf 1,2027 Punkte zurück. Somit verzeichnete er ein kleines Plus von 0,18 Prozent.2

 

Rohstoffe

Die Preise für Rohöl sind am Freitag leicht gesunken, konnten aber ihre starken Preiszuwächse der vergangenen Tage halten. Am Nachmittag kostete ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 67,39 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Februar fiel um 85 Cent auf 61,16 Dollar. Zuletzt hatte vor allem die Protestwelle im ölreichen Opec-Staat Iran für Preisauftrieb am Erdölmarkt gesorgt. Aber auch die Meldung der US-Regierung von einem starken Rückgang der Rohölbestände befeuerte den Preisanstieg. Damit stiegen am Donnerstag die Preise für US-Rohöl auf den höchsten Stand seit 2015.3

Ein spannendes, neues Handelsjahr wünschen,

Claudia Baumann und Maximilian Gauglitz


1 https://de.investing.com/news/aktienmarkt-nachrichten/roundupaktien-new-york-schluss-dow–co-beenden-starke-woche-mit-rekorden-539230
2 https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10177667-devisen-eurokurs-stabilisiert-ruecksetzer
3 https://de.investing.com/news/rohstoffe—futures-nachrichten/lpreise-geben-etwas-nach–weiter-auf-hohem-niveau-53915

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.