US-Anleihen und Libra

US-Anleihen und Libra

China verkauft weiter US-Anleihen

Amerikas Schulden sind auf der ganzen Welt verteilt, wobei China und Japan die mit Abstand größten Geldgeber sind. China stößt seit ein paar Monaten vermehrt US-Anleihen ab. Ob dies eine Reaktion auf den Handelsstreit mit den USA ist, kann nicht bestätigt werden. In den letzten 12 Monaten hat China Treasury Bonds in Höhe von 69 Mrd. $ verkauft. Die Situation der Bestände von US-Anleihen im chinesischen Portfolio hat sicher eine Rolle bei den Verhandlungen gespielt. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass China versucht, die Verkäufe als Waffe gegen die USA einzusetzen. Die Verkäufe von 69 Mrd. $ sind im Vergleich zum Bestand von 1,1 Billionen $ eher gering. Sollte China die Geschwindigkeit beibehalten, so würden noch 12 Jahre vergehen bis der Bestand 0 beträgt.

Das gesamte Volumen amerikanischer Schuldtitel im Ausland beträgt 6,43 Billionen $ und das Volumen aller US-Staatsanleihen im Umlauf beträgt 16 Billionen $. Die Verkäufe spielen damit im Moment eine untergeordnete Rolle in der Preisfindung von US-Anleihen. Des Weiteren finden die US Staatsanleihen sehr schnell Abnehmer wie beispielsweise Japan, wobei das Land seinen Bestand weiter ausbaut und demnächst der größte Gläubiger der USA ist. China investiert seine Exportüberschüsse zu einem großen Teil in amerikanische Staatsanleihen, da diese eine hohe Bonität besitzen.

Im Moment gibt es andere Faktoren, wie die mögliche Zinssenkung der FED, die Einfluss auf den Preisprozess der US-Staatsanleihen haben. Hausbesitzer oder Unternehmen spüren somit nichts von den Verkäufen von China.

Die Schuldensituation ist auch ein zweischneidiges Schwert, da China kein Interesse daran haben kann, seinen wichtigsten Markt für seine Produkte zu schwächen. Zudem würden die Preise der US-Anleihen bei einem abrupten Ausstieg fallen, wodurch China einen zusätzlichen Verlust erleiden würde.

Auf dem Forex Markt ist diese Option ebenfalls unattraktiv für China. Sinkt der US-Dollar, so werden die amerikanischen Exporte günstiger. Dadurch müsste die chinesische Bevölkerung ihre eigene Währung stützen, damit die Exporte nicht teurer werden. China könnte seine eigene Währung schwächen, um den gegenteiligen Effekt auf für die USA zu erzielen. Das würde allerdings innenpolitische Probleme in China hervorrufen, da sich die Importe verteuern würden.

Diese Situation verdeutlicht erneut, dass beide Seiten bei einem Handelskrieg nur verlieren können.¹
 

Libra – Das neue Zahlungsmittel von Facebook

Facebook plant seine Geschäftsaktivitäten auszubauen und in den digitalen Zahlungsverkehr einzusteigen. Dazu führt Facebook im kommenden Jahr seine Digitalwährung Libra ein. Das Unternehmen hat eine gute Ausgangslage, da bereits Milliarden Nutzer auf der Welt die Dienste von Facebook nutzen. Facebook möchte im Bereich des E-Commerce ebenfalls wachsen und erweitert dazu stetig sein Produktportfolio.

Facebook stellte sein Konzept in Kalifornien vor. Die Währung soll sich nicht nur auf Transaktionen zwischen Verbrauchern und Firmen beschränken, die Facebook nutzen, sondern eine offene Zahlungsalternative darstellen. Dabei sollen selbst Menschen ohne ein eigenes Bankkonto die Währung nutzen können.

Das Unternehmen hat für diesen Plan eine Allianz aus 28 Mitgliedern gebildet. Darunter befinden sich prominente Firmen wie Visa, Mastercard, PayPal, Stripe, Vodafone, Spotify, Booking.com, Uber und Lyft, wodurch die Integration in weltweite Zahlungssysteme enorm erleichtert wird. Facebook hofft bis zum Jahr 2020 auf über 100 Mitglieder in dieser Allianz. Außerdem macht der Facebook Manager David Marcus deutlich, dass Facebook keine Sonderrolle in der Libra Association einnehmen wird.

Es gibt bereits eine Vielzahl an Kryptowährungen, wobei zum Beispiel Bitcoin unter einer hohen Volatilität leidet. Facebook möchte diese Schwankungen unbedingt vermeiden. Dafür soll Libra durch einen Reservefonds aus unterschiedlichen Währungen gedeckt sein. Somit fließt beim Umtausch in Libra das Geld in diese Reserve. Die Libra Association wird darüber entscheiden, wie sich dieser Fonds zusammensetzt. Des Weiteren soll Libra nicht von den Nutzern erstellt werden, sondern kann bei den Mitgliedern der Allianz erworben werden.

Branchenkenner sehen ein riesiges Potenzial in dieser Idee und rechnen mit großen Wachstumsraten besonders in Afrika und Asien.

Im Moment steht Facebook noch vor erheblichen Hürden. Der Datenschutz spielt hierbei eine entscheidende Rolle, wobei Facebook betont, dass es keinen Zugriff auf die Finanzdaten haben werde. Eine weitere Hürde stellt die Zulassung durch zahlreiche Aufsichtsbehörden dar. An der Wallstreet wurde die Idee sehr positiv aufgenommen und die Facebook Aktie legte um 2,5 Prozent zu.²


¹ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/usa-china-handelsstreit-111.html
² https://www.tagesschau.de/wirtschaft/facebook-digitale-weltwaehrung-101.html

Marktüberblick

Indizes

Der DAX konnte auf Wochensicht auf gut 12350 Zähler zulegen. Der DAX nähert sich nun einer wichtigen Unterstützung bei 12440 Punkten. Eine nachhaltige Überwindung dieser Kursmarke ermöglicht Kurssteigerungen auf bis zu 12700 Punkte. Dabei sind insbesondere die in Aussicht gestellten Lockerungen der EZB ein Kurstreiber dieser Tage. Zudem werden Forderungen lauter, dass die FED im Juli eine Zinssenkung vollziehen solle. Diese geldpolitischen Ankündigungen trieben diese Woche auch Indizes wie den Dow Jones oder den S&P 500 nach oben. ¹

 

Währungen

Das Währungspaar EUR/USD nähert sich seinem Hoch bei 1,135 Dollar pro Euro. Eine nachhaltige Überwindung dieser Marke ermöglicht Kurssteigerungen auf bis zu 1,14 Dollar pro Euro. ³

 

Rohstoffe

Derzeit kennt der Goldpreis nur einen Weg, nämlich nach oben. Das Hoch bei 1411 Dollar ist die höchste Kursmarke seit September 2013. Eine andauernde Rallye lässt Kurse um die 1500 Dollar als mögliche Ziele erscheinen. Eine kurze Gegenreaktion ist ein realistisches Szenario und sollte bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Dennoch ist der übergeordnete Trend positiv. Die anhaltende politische Krise mit dem Iran lässt auch diese Woche die Öl-Preise steigen. Die Nordseesorte Brent notiert derzeit um 65 Dollar, dies stellt aber vergleichsweise einen geringen Wert zum Jahreshoch von 75 Dollar dar. ²

Eine spannende Handelswoche wünschen,
Felix Albrecht und Moritz Huth
 


¹ https://boerse.ard.de/marktberichte/dax-nervoeses-flackern100.html
² https://traderfox.com/
³ https://www.focus.de/finanzen/boerse/draghi-ezb-bereit-zu-weiterer-lockerung-ihrer-geldpolitik_id_10837896.html

 

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