Von Bayer bis Wirecard

Von Bayer bis Wirecard

Schwere Mission für BayerDie Anteilseigner verweigerten dem Vorstand am Freitag überraschend die Entlastung: 55,5 Prozent des anwesenden Grundkapitals stimmten dagegen und nur 44,5 Prozent dafür. Damit ist Vorstandschef Werner Baumann der erste amtierende Dax-Vorstand, dem die Anteilseigner das Vertrauen entzogen haben. Die Übernahme des amerikanischen Konzerns Monsanto hatte dem Vorstand des Agrarchemiekonzerns Bayer das Vertrauen von vielen Aktionären gekostet. Bei der 13-stündigen Konferenz am Freitag gingen viele der Großaktionäre hart mit der Chefetage ins Gericht.m Hinblick auf die Imagekratzer, die der Konzern durch die Klagewelle in den USA und die Vorwürfe vom krebserregenden Glyphosat hinnehmen musste, bezweifeln auch mehrere Analysten, dass das Rechtsrisiko im Voraus falsch bewertet wurde. Die Deka, die zu einem der 10 größten Aktionäre von Bayer gehört, sprach von einem „Scherbenhaufen“ im Hinblick auf den Kursverfall und einer Mutation von einem Pharmagiganten zu einem Zwerg. Der Aufsichtsrat berief kurzfristig eine Sitzung ein und gab danach bekannt, dass er geschlossen hinter dem Vorstand steht. Er werde den Vorstand dabei unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und Stakeholder wiederherzustellen.1,2

Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank abgesagt

Am Donnerstag einigten sich die Deutsche Bank und die Commerzbank darauf, dass es zu keiner Fusion kommen wird. Damit wurde die Idee eines nationalen Champions zu Grabe getragen. Dadurch eröffnen sich jetzt Möglichkeiten auch für internationale Banken Angebote zu unterbreiten. Interessenten sollen zum Beispiel die italienische UniCredit sowie die niederländische ING-Bank sein. Insider bezweifeln allerdings das dies im Moment wahrscheinlich ist, da diese nicht das Gewicht dieser Fusion hätten.
Die Deutsche Bank will sich nun wieder mehr auf Kapitalmarktgeschäfte konzentrieren, da dort in den letzten Quartalen wenig verdient wurde. Spekuliert wird unter anderem, dass die Deutsche Bank lukrative Sparten mit denen anderer europäischer Banken zusammenlegen will, wie zum Beispiel die Tochter DWS mit der eines Rivalen wie der UBS.3

SoftBank steigt bei Wirecard ein

Am Mittwoch gab Wirecard bekannt, dass das Unternehmen SoftBank rund 900 Millionen Euro investieren will. SoftBank ist ein japanischer Telekommunikations- und Medienkonzern, der von vielen unterschiedlichen großen Unternehmen Anteile besitzt. So gehört zum Portfolio von SoftBank beispielsweise der asiatische Gigant Alibaba.
Das Unternehmen ist zudem der größte Investor bei Alibaba.
Die Investition wird in Form von Wandelanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren getätigt. Das entspricht nach Ablauf der 5 Jahre 6.923.076 Aktien zu einem Preis von 130 € pro Aktie, was 5,6 % des gesamten Grundkapitals entspricht. Von dem Investment verspricht sich Wirecard einen Zugang zu Kontakten, um deren Expansion in Richtung China voranzutreiben.4,5

 


1 https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/vorstand-will-vertrauen-zurueckgewinnen/24261486.html
2 https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/vorstand-nicht-entlastet-aktionaere-strafen-bayer-fuehrung-ab-16159757.html
3https://www.google.de/amp/s/amp.handelsblatt.com/unternehmen/banken/nach-gescheiterter-bankenfusion-deutsche-bank-chef-warnt-seine-investmentbanker/24264864.html
4 https://www.fool.de/2019/04/27/wirecard-aktie-der-neue-grossinvestor-aendert-alles/
5 https://www.google.de/amp/s/amp.handelsblatt.com/unternehmen/banken/finanzdienstleister-900-millionen-euro-investment-was-hinter-dem-softbank-deal-mit-wirecard-steckt/24248002.html

Marktüberblick

Indizes

Mit einem überraschend schwachen Quartal schockierte Nokia seine Anleger. Im Vorjahr wies der finnische Netzwerkausrüster noch einen Gewinn in Höhe von 239 Millionen Euro auf. Vergleichsweise zeigte sich zu Beginn dieses Jahres ein Minus von 59 Millionen Euro. Spekulanten rechneten hingegen mit einer zum Jahr 2018 vergleichbaren Tendenz. Am Donnerstag verlor die Aktie zeitweise fast 11 Prozent und ähnelt damit dem Niveau vom Oktober 2018. Ein sehr entscheidender Grund für das diesjährige Defizit ist der deutliche Marktrückgang. Neben dem Konkurrenten Ericsson kämpft Nokia um die Marktanteile im 5G-Geschäft.1

Aber auch die Aktie des US-amerikanischen Unternehmens Tesla sank zum Ende der Woche. Mit einem Rückgang von 2,96 Prozent fiel die Aktie auf 224,95 Euro. Vergleichsweise handelten Anleger noch Mitte Dezember des Jahres 2018 das Wertpapier mit 334,37 Euro. Dieser Kurs stellte damals das 52-Wochen-Hoch dar.2

Der DAX erreichte am Mittwoch die diesjährige Höchstquote von 12.348,11 Punkten. Zu Beginn des Jahres zeigte der Leitindex allerdings noch ein deutliches Tief von 10.416,66 Punkten. Somit ist der Kurs um rund 19 Prozent gestiegen.3
Der von den Gründern des Wall Street Journals und des Unternehmens Dow Jones, Charles Dow und Edward Jones, geschaffene Aktienindizes erreichte am Dienstag sein 6-Monats-Hoch mit 26.656,40 Punkten. Gegenüber dem Tief von Ende 2018 stieg der Dow Jones insgesamt um knapp 22 Prozent.4

 

Währungen

Trotz der hohen Inflationsrate in der Türkei behält die türkische Notenbank den Leitzins bei. Dieser soll weiterhin bei 24 Prozent liegen. Auf diesen geldpolitischen Entschluss reagierte die Landeswährung mit Kursverlusten und fiel um fünf Cent. Somit wurde direkt nach der Verkündung ein Euro für 6,63 Lira gehandelt. Zuvor kostete ein Euro noch 6,58 Lira.5

Am Donnerstag ist der Eurokurs zeitweise bis auf 1,1118 Dollar gefallen. Dieser Wert veranschaulicht den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Grund dafür waren vor allem die enttäuschenden Konjunkturdaten aus der Eurozone in den vergangenen Handelstagen. Doch zum Ende der Woche konnte sich die Gemeinschaftswährung vorerst stabilisieren. Am Freitag morgen wurde der Euro zum nahezu gleichen Kurs wie am Vorabend mit 1,1136 US-Dollar gehandelt.6

Besonders die digitalen Devisen konnten sich in der vergangenen Zeit wieder erholen. Der Bitcoin erreichte in diesem Jahr einen Wertzuwachs von fast 46 Prozent. Aktuell wird die Kryptowährung zu rund 5.500 US-Dollar gehandelt. Hinsichtlich der optimistischen Entwicklung sprechen Analysten von einer nächsten Rally. Beispielsweise verkündete der Investor Chris Burniske, dass der Bitcoin während des nächsten Bullenmarktes eine Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar erreichen könnte.7

 

Rohstoffe

Der durch den Anstieg der Ölpreise erreichte Gewinn der ersten Wochenhälfte musste in der zweiten Wochenhälfte teilweise abgegeben werden. Am Freitag Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 74,25 US-Dollar. Mit zehn Cent weniger als am Donnerstag fiel der Kurs weiterhin. Aber auch der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist um 25 Cent auf 64,96 US-Dollar gesunken. Damit knüpften die Ölpreise an die Verluste zum Vortag an. Der gute Wochenstart war vor allem der Ankündigung der US-Regierung über die Sanktionen gegen das OPEC-Mitglied Iran zu verdanken.8

Eine spannende Handelswoche wünschen,
Fabian Hörich und Melissa Müller


1 https://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/geschaeftszahlen-nokia-verschreckt-investoren-mit-unerwartetem-operativen-quartals-minus_id_10630953.html
2 https://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/tesla-aktie-26-04-2019_id_8963190.html
3 https://finanzen.handelsblatt.com/159096/dax
4 https://www.boerse.de/indizes/Dow-Jones/US2605661048
5 https://www.focus.de/finanzen/boerse/wirtschaftsticker/konjunktur-tuerkische-zentralbank-laesst-leitzins-weiter-bei-24-prozent_id_10631783.html
6 https://www.finanzen.net/nachricht/devisen/yuan-tiefer-darum-stabilisiert-sich-der-eurokurs-7415976
7 https://www.finanzen.net/nachricht/devisen/unbedachtes-investment-schlechte-bitcoin-wette-softbank-gruender-verliert-dreistelligen-millionenbetrag-7412257
8 https://www.boerse.de/nachrichten/Oelpreise-geben-etwas-nach/8126093

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