Von EZB und Boing

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Mario Draghi verlässt die EZB – Letzte Sitzung

Am Donnerstag fand die letzte Pressekonferenz mit Mario Draghi als EZB Präsident statt. Das öffentliche Interesse war hoch und es waren Journalisten aus der ganzen Welt anwesend. Sie hofften dabei auf eine persönliche Note des Mannes, welcher europäische Geldpolitik wie kein anderer geprägt hat. Mario Draghi zieht nach acht Jahren ein positives Fazit und er konstatiert, dass die eingeleiteten Maßnahmen ihre Wirkung nicht verfehlt haben. „Wir haben damit sehr positive Erfahrungen gesammelt, das hat die Wirtschaft angeregt und Arbeitsplätze geschaffen. Wir sind damit auf dem richtigen Weg.“ Draghi kündigte dabei eine weitere Zinssenkung und einen Ausbau der Anleihekäufe an. Seine Strategie verteidigte er weiterhin. Die schwache Wirtschaft der Eurozone muss gestützt werden und das Inflationsziel von 2 % ist noch das Leitziel.¹
Die Anleihekäufe sind auch in den eigenen Reihen umstritten und haben viele Kritiker. Die Person Mario Draghi polarisiert seit etlichen Jahren. Durch seine Äußerung „whatever it takes“ ist er zur Symbolfigur der Eurorettung geworden. Des Weiteren lobte Draghi die Ernennung der deutschen Ökonomin Isabel Schnabel in das EZB Direktorium.
Es gab insgesamt 77 EZB Pressekonferenzen mit Mario Draghi. Am Montag wird er seiner Nachfolgerin das Amt feierlich übergeben. In seiner Amtszeit hat er nicht ein Mal die Zinsen erhöht. Der Leitzins beträgt aktuell 0 % und der Einlagezins liegt bei minus 0,5 %. ²

 

Boeing unter Druck

In den letzten Monaten lief es nicht gut für Boeing, weshalb die Erwartungen an den Flugzeughersteller nicht besonders groß waren. Die nun veröffentlichten Zahlen unterboten die pessimistische Stimmung noch einmal deutlich. Im dritten Quartal lag das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 1,45 $, wobei Analysten mit 2,17 $ gerechnet hatten. Der Nettogewinn brach um 51 % auf 1,17 Mrd. $ ein und die Umsätze gingen um 21 % auf 19,98 Mrd. $ zurück. Sie lagen noch leicht über dem Vorjahresniveau. Boeing kämpft weiterhin mit den Problemen um die 737 MAX und muss gleichzeitig die Produktion drosseln. Das Projekt der Ultralangstreckenversion des Modells 777x wurde auf das Jahr 2021 verlegt. Eine positive Meldung ist, dass Boeing von der Wiederzulassung der 737 MAX überzeugt ist, da bis Ende 2020 57 Einheiten produziert werden sollen.³
Es gab ebenfalls Umstrukturierungen in der Führung des Konzerns, so musste Konzernchef Dennis Muilenburg seinen Vorsitz im Verwaltungsrat abtreten. Sein Hauptziel soll die Wiederzulassung des 737 MAX Modells sein. In der Vergangenheit haben sich die nun präsentierten Zahlen bereits angekündigt. Zwischen Januar und September hatte Boeing nur 302 Flugzeuge ausgeliefert. Das waren 266 weniger im Vergleich zum Vorjahr. Airbus lieferte 571 Flugzeuge im gleichen Zeitraum. Das Modell 737 MAX darf seit März nicht mehr mit Passagieren abheben. Diese Entscheidung wurde aufgrund der Abstürze in Indonesien und Äthiopien getroffen.⁴

¹ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/draghi-abschied-101.html
² https://www.tagesschau.de/wirtschaft/euroschau-169.html
³ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/boeing-boerse-101.html
⁴ https://www.cockpit.aero/fileadmin/_processed_/e/e/csm_787-8_Dreamliner_f0ba378668.jpg

Marktüberblick

Indizes

Nach einem ruhigen Handelstag gewann der DAX am Abend +0,17 % und startete mit 12.894,51 Punkten ins Wochenende. Marktexperten sprachen hierbei von einem „klassischen Konsolidierungstag“ am deutschen Aktienmarkt. Im aktuell starken Signal des DAX spiegelt sich vor allem die Hoffnung auf eine Entspannung des Handelskonfliktes zwischen der USA und China wider. Zudem hoffen viele Anleger auf steigende Unternehmensgewinne und die Aussicht auf eine Besserung der deutschen Wirtschaft.¹
Auch der EUROSTOXX gewann am Freitag +0,09 % und endete bei 3.624,68 Punkten.
An der Wall Street hat der Dow Jones nach leichtem Zögern zu Tagesbeginn ins Plus gedreht und verzeichnete zum Handelsschluss 26.947,79 Punkte (+0,54 %).² Dies kann ebenso auf die momentan entspannte Stimmung zwischen den USA und China zurückgeführt werden. US-Vizepräsident Mike Pence zeigte sich zuverlässig in Bezug auf den Handelsstreit und betonte, dass es den beiden größten Volkswirtschaften durchaus gelingen kann, ein umfassendes und faires Abkommen zu schließen.³

 

Währungen

Der Euro zeigte am Freitag nur wenig Bewegung und hielt sich nahezu beim gleichen Kurs wie am Vorabend, bei 1,11 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1128 US-Dollar festgesetzt.
Das Pfund verlor aufgrund einer erneuten Brexit-Verschiebung 0,24 % und lag zum Handelsschluss bei 1,2819 Dollar. Die Europäische Union hatte dieser Verschiebung zwar zugestimmt, nannte jedoch vorerst keinen neuen Termin für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Besonders turbulente Kursschwankungen verzeichnen Kryptowährungen im Moment. Nach einem 5-Monats-Tief ist erstmals wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen.⁴

 

Rohstoffe

Die Ölpreise verzeichnen am Freitag einen leichten Rückgang. So kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent bei Handelsschluss 61,57 Dollar.⁵ Ein Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel auf 56,36 Dollar. Trotz dieser leichten Verluste verzeichnen die Ölpreise im vergangenen Monat einen starken wöchentlichen Zuwachs. Stärkster Preistreiber hierbei war ein überraschender Rückgang der Ölreserven in den USA, welchen die US-Regierung vergangenen Mittwoch gemeldet hatte.⁶ ⁷

Eine spannende Handelswoche wünschen,

Felix Albrecht und Laura Furch


¹ https://boerse.ard.de/marktberichte/dax-mit-starkem-signal100.html
² https://kurse.boerse.ard.de/ard/indizes_einzelkurs_uebersicht.htn?i=159194
³ https://kurse.boerse.ard.de/ard/indizes_einzelkurs_uebersicht.htn?i=849973
⁴ https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/
⁵ https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/oel-oelpreise-verlieren-etwas-nach-starken-vortagesgewinnen/25154216.html
⁶ https://finanzen.handelsblatt.com/42583550/brentpreis#wt_eid=2157217761963413421&wt_t=1572180084716
⁷ https://finanzen.handelsblatt.com/42583551/wtipreis#wt_eid=2157217761963413421&wt_t=1572180090276

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