Von USA bis China

Von USA bis China

Handelskrieg USA – China

Nach neuen Rekordhochs im S&P 500, NASDAQ und Dow Jones gab es am Donnerstag einen Dämpfer, nachdem Trump keine Sicherheit für eine Unterzeichnung des Teilabkommens abgab. Beide einigten sich jedoch auf einen langsamen Abbau der Strafzölle, was zu Kurssprüngen in den internationalen Märkten führte. Das Teilabkommen bekommt jedoch viel Gegenwind auch aus dem Weißen Haus und von externen Beratern des Präsidenten, da befürchtet wird, dass die USA ihre Verhandlungsmacht gegenüber China mindere. Von Seiten der chinesischen Regierung wird der Eindruck erweckt, als hätte man sich im Handelsstreit auf ein schrittweises Zurücknehmen der Strafzölle geeinigt. Trump stellt klar, vor der Unterzeichnung eines Abkommens in den USA keine Strafzölle abzubauen. Seit mehr als einem Jahr liefern sich die USA und China einen Handelskrieg, der in beiden Ländern das Wirtschaftswachstum verlangsamt und die Weltkonjunktur bremst. Im Oktober wurde eine grundsätzliche Einigung auf ein Teilabkommen verkündet und eine Unterzeichnung für Mitte November in Aussicht gestellt. ¹ ²

 

Rücktritt von McDonalds CEO Steve Easterbrook

Anfang der Woche gab es eine überraschende Veränderung in der Führung von McDonalds, nachdem bekannt wurde, dass CEO Steve Easterbrook eine Beziehung zu einer Angestellten hatte. Easterbrook hat in seiner Amtszeit als CEO viel Neues eingeführt. Er investierte zunehmend in Start-ups mit Spezialisierung auf künstliche Intelligenz, versuchte das Menü gesünder zu gestalten, führte die elektronischen Kioske ein und brachte in den USA ein ganztägiges Frühstücksmenü hervor. Zusätzlich ging er noch Kooperationen mit Uber oder Doordash ein, um diese als Lieferdienste zu nutzen. Während alle anderen Fast-Food-Ketten Schwierigkeiten hatten und Verluste machten, fuhr Easterbrooks nicht nur Gewinne ein, sondern verdoppelte in seinen vier Jahren als CEO den Aktienkurs des Unternehmens. Sein Nachfolger Chris Kempczinski, der vorher Präsident von McDonalds USA war und auch schon bei anderen namhaften Unternehmen wie Procter & Gamble oder Pepsi Co. gearbeitet hat, stellt sich nun die Frage, was er bei McDonalds jetzt noch besser machen kann. Nach dem Rücktritt des CEO von McDonalds sank die Aktie innerhalb eines Tages von 197 $ auf 188 $, erholte sich allerdings bis zum Ende der Woche wieder. ³ ⁴
 

Wochenausblick

Durch den bereits stark gelaufenen deutschen Aktienmarkt konnten sich die Anleger diese Woche etwas vorsichtiger verhalten. Die allgemeine positive Stimmung sollte sich in der kommenden Woche fortsetzen. Dies hängt nach wie vor von den Aussagen von China und den USA zum Stand des Teilabkommens ab. Einfluss auf den Aktienmarkt dürfte zudem auch die auslaufende Berichtssaison sowie einige zentrale Wirtschaftsdaten haben. Dank der lockeren Geldpolitik und den Aussagen von China und den USA über einen Etappenerfolg im Handelsstreit hatte der DAX erstmals seit Februar 2018 wieder die 13.300 Punkte-Marke getestet. Bis zum Rekordhoch fehlen dem DAX damit noch 300 Punkte. Trotz der Entwicklung ist keine Euphorie oder eine besonders positive Stimmung in den Märkten zu spüren. Im Gegenteil: Die Einstellung der Anleger dürfte einem Experten der LBBW nach zu urteilen eher von Vorsicht geprägt sein. Die Augen bleiben demnach auf die Handelsgespräche gerichtet, allerdings rückt auch die Haltung der US-Regierung ins Blickfeld. In der neuen Woche steht die Entscheidung an, ob die von Präsident Trump angedrohten Strafzölle auf europäische Autoimporte wirklich erhoben werden. Der scheidende EU-Kommissionspräsident Juncker gibt sich gelassen, als er sagte: “Er wird es nicht machen.“ Die letzten sieben DAX-Konzerne stellen ihre Quartalsberichte vor, davon sechs in der kommenden Woche. Am Dienstag legen die Deutsche Post, Infineon sowie Linde vor und am Donnerstag folgen Henkel, Merck und RWE. Die Continental AG muss lediglich ihr vollständiges Zahlenwerk vorlegen, nachdem sie bereits am 23. Oktober ihre Eckdaten veröffentlichte. Außerdem stehen wegweisende Wirtschaftsdaten, wie das Bruttoinlandsprodukt, an. Dieses dürfte das zweite Quartal in Folge Rückgang zeigen, was eine Rezession bedeuten würde. Dennoch sehen Analysten von der LBBW kein negatives Überraschungspotenzial für die Börse. Kursreaktionen könnten hingegen die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion in China auslösen. Auch den Einzelhandelsumsätzen aus den USA kommen eine besondere Bedeutung zu. ⁵ ⁶

¹ https://www.nzz.ch/wirtschaft/handelsstreit-fakten-und-ereignisse-im-ueberblick-ld.1392086
² https://www.n-tv.de/wirtschaft/Trump-daempft-Hoffnung-auf-Strafzoll-Abbau-article21383446.html
³ https://www.finanzen.net/aktien/mcdonalds-aktie
⁴ https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/chris-kempczinski-uebernimmtverbotene-liebe-mcdonalds-tauscht-den-ceo-us/25186432.html?ticket=ST-90838204-9gwpnTrieTxb4jKFQiPE-ap5
⁵ https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/wochenausblick-anleger-duerften-vorsichtigoptimistisch-
bleiben-8201165
⁶ https://www.boersennews.de/nachrichten/artikel/wochenausblick-anleger-d-rften-vorsichtigoptimistisch-
bleiben/1972989/

Wissen für den nächsten Montagstreff

In unserem kommenden Montagstreff, am 18. November, dreht sich alles um Optionen – genauer gesagt um das Thema „Optionsverkauf“. Wenn du dich jetzt fragst: „Was sind überhaupt Optionen und warum sollte ich diese verkaufen?“ ist der folgende Artikel genau richtig für dich, um über das hochspannende Thema einen Überblick zu bekommen.

Bevor wir uns genauer dem Verkauf von Optionen widmen, schauen wir uns die theoretischen Grundlagen zu Optionen an.
Optionen sind an Terminbörsen gehandelte und standardisierte Derivate und damit klar zu differenzieren von sogenannten „Optionsscheinen“, die von Banken emittiert werden. Wie bei allen Derivaten ist der Optionspreis von der Wertentwicklung des Underlyings, auch Basiswert genannt, abhängig. Ein Basiswert bzw. Underlying können zum Beispiel Aktien oder auch Derivate wie Futures auf Öl sein.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Derivaten ist ihre begrenzte Laufzeit, d.h. sie haben ein Verfallsdatum. So können beispielsweise Optionen, die vom Typ „Amerikanisch“ sind, während der gesamten Optionslaufzeit ausgeübt werden; „Europäische“ Optionen hingegen nur am Verfallstag. Da aber der Großteil der gehandelten Optionen „Amerikanisch“ ist, also du von deinem Recht während der gesamten Laufzeit Gebrauch machen kannst, fokussieren wir uns auf diesen Typ.
Wie du in Abbildung 1 sehen kannst, gibt es zwei Arten von Optionen – die Call- und die Put-Option. Wenn du eine Call-Option kaufst („Long Call“), hast du das Recht erworben, den Basiswert zum Basispreis (Strike) der Option innerhalb der Optionslaufzeit kaufen zu können. Der Verkäufer der Call-Option („Short Call“) hat dann die Pflicht, dir den Basiswert zum Basispreis verkaufen bzw. die Aktien zu liefern. Meist wird aber nicht der Basiswert geliefert, sondern durch eine Geldzahlung, das sogenannte Cash-Settlement, die Schuld beglichen.

Call-Optionen werden hauptsächlich für Spekulationszwecke gekauft, weil bei Optionen ein Hebel-Effekt wirkt. Durch den Kauf einer Call-Option hast du die Möglichkeit, an der Wertentwicklung des Basiswertes zu partizipieren, ohne dafür so viel Kapital aufbringen zu müssen wie bei einem Direktinvestment. Wenn du zum Beispiel überzeugt bist von der Amazon Aktie, du aber nicht für eine Aktie knapp $1750 bezahlen möchtest, kannst du eine Call Option kaufen („Long Call“). Eine entsprechende Call-Option mit einem Strike von $1750 Preis und einer Fälligkeit im Januar kostet $108,50. Das heißt, du kannst die Aktie zu einem Preis von $1750 während der Optionslaufzeit kaufen. Steigt die Aktie bis Anfang Januar auf $2000, kannst du dein Recht ausüben und du bekommst die Differenz zwischen dem aktuellen Preis der Aktie und dem Strike ($2000-$1750 = $250) gutgeschrieben. Damit beträgt der Gewinn $250 bei einer Anfangsinvestition von nur $108,50, die du für die Option gezahlt hast. Deine Rendite auf dein eingesetztes Kapital beträgt somit 130%, mit einem Direktinvestment hättest du eine Rendite von ~15% erzielt.
Bei einer Put-Option erwirbt der Käufer („Long Put“) das Recht, den Basiswert während der Optionslaufzeit zum Basispreis zu verkaufen. Der Verkäufer der Put-Option („Short-Call“) hat die Pflicht den Basiswert zum Basispreis zu kaufen. Es macht also Sinn, eine Long Put Option zu kaufen, wenn du davon ausgehst, dass der Wert des Underlyings in der Zukunft abnehmen wird. Es ist also auch hier möglich, überproportional an der Entwicklung des Basiswertes durch den Hebeleffekt zu partizipieren. Allerdings werden Put-Optionen („Long Put“) vorrangig von professionellen Investoren als Absicherung gekauft. Schauen wir auf das 4. Quartal 2018 zurück, konnten wir eine deutliche Korrektur am Markt erkennen. Um die Verluste auf ein Aktienportfolio zu begrenzen bzw. zu hedgen, haben viele Investoren in der Zeit Put-Optionen gekauft. Das ist speziell bei sehr großen Portfolios günstiger und schneller umzusetzen als die Aktien direkt zu handeln. Als Optionsverkäufer verkaufst du damit nichts anderes als eine Versicherung an andere Marktteilnehmer und erhältst dafür eine Prämie – den Optionspreis, den der Käufer zahlen muss.
Damit kommen wir zu der Frage – Warum sollte man jetzt aber Optionen verkaufen?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die wesentlichen Preiskomponenten einer Option anschauen – den inneren Wert und den Zeitwert. Eine Put-Option hat einen inneren Wert, wenn der Preis des Underlyings niedriger ist als der Strike-Preis (bei Call-Optionen genau umgekehrt). Der restliche Wert der Option ist der Zeitwert, der maßgeblich von den Erwartungen der Marktteilnehmer über die zukünftigen Schwankungen des Basiswertes abhängig ist (implizite Volatilität) sowie von der verbleibenden Optionslaufzeit. Meistens überschätzen die Marktteilnehmer die zukünftigen Schwankungen, d.h. die implizite Volatilität ist höher als die tatsächliche Volatilität (historische Volatilität). Für den Optionsverkäufer bedeutet das, dass er eine höhere Prämie bekommt, da er die Option teurer verkaufen kann, als ihr „echter“ Wert ist. Der zweite Faktor ist der Zeitwertverlust. Mit jedem Tag, den die Option näher zum Verfallstag kommt, sinkt ihr Wert (alle anderen Faktoren bleiben konstant). Das kann damit erklärt werden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Option einen inneren Wert hat, bei abnehmender Optionslaufzeit niedriger wird.  
Als Verkäufer der Option profitierst du von beiden Effekten – der Fehleinschätzung der impliziten Volatilität und dem Zeitwertverlust. Ein weiterer Faktor, der für den Verkauf von Optionen spricht, ist, dass du nicht direktional handelst. Direktional handeln heißt, dass du auf eine klare Auf- oder Abwärtsbewegung eines Wertpapiers spekulierst. Beim Verkauf der Option hast du noch eine dritte Möglichkeit – seitwärts. Solange der Kurs des Underlyings keine große Bewegung in Richtung deines Strikes macht oder ihn sogar durchbricht, profitierst du von allen Bewegungen, da ja der Zeitwertverlust für dich arbeitet. In Abbildung 2 ist der Kursverlauf des SPDR dargestellt – der größte ETF, der den S&P 500 Index nachbildet. Verkaufst du zum Beispiel eine Put-Option mit einem Strike von $300 auf den SPDR siehst du deutlich, dass du einen großen Spielraum in der Kursentwicklung hast. Und sollte dann doch die Aktie sich so bewegen, dass der Strike durchbrochen wird, gibt es Möglichkeiten, den Verlust zu begrenzen. Natürlich ist auch ein konservatives Risk- und Moneymanagement entscheidend, damit Verluste kleingehalten werden.

 

Ich hoffe, du konntest einen Überblick gewinnen und die Beweggründe für den Optionsverkauf verstehen. Wenn du jetzt neugierig geworden bist und noch mehr zum Optionsverkauf wissen willst, insbesondere die Umsetzung in der Praxis, dann komm am 18. November vorbei!

Eine spannende Handelswoche wünschen,

Fabian Hörich und Maximilian Gauglitz

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